10. Dezember 2020

Leipzig-Film »Jochen macht Triathlon« sucht Unterstützer

Der Leipziger Larsen Sechert hat im Sommer den Film »Jochen macht Triathlon« gedreht. Damit die Produktion auf die Leinwand kommt, wird Geld gesammelt. LVZ.de hat mit dem Darsteller Daniel Weißbrodt gesprochen.

Leipzig. In der No-Budget-Produktion »Jochen macht Triathlon« von Filmemacher Larsen Sechert, der vor 17 Jahren das »Knalltheater« gegründet hat, geht es um einen einfachen Mann. In der Mitte des Lebens will die Hauptfigur Jochen noch einmal etwas reißen. Auslöser ist eine unerwartete Begegnung mit seiner erwachsenen Tochter, die ihn in Bewegung setzt.  Der 47-jährige arbeitslose Kettenraucher beginnt, für einen Triathlon zu trainieren.
 
Crowdfunding-Aktion bis Sonntag
Gemeinsam mit Paul Schlesier an der Kamera hat Larsen Sechert im Sommer 2020 einen Film gedreht, der auf »witzige, leichte, subtil bewegende Weise beschreibt, wie einer vom Abstellgleis zurück ins Leben findet«, sagt René Lingnau, der für die Pressearbeit zuständig ist. Um die Postproduktion anzukurbeln und den Leipzigern den Film im nächsten Sommer im Kino auf der großen Leinwand zu zeigen, sucht das Team Jochen noch bis Sonntag (13. Dezember) tatkräftige Unterstützer, die sich finanziell über eine Crowdfunding-Aktion beteiligen.
Ein sportliches Ziel haben sich die Macher gestellt: 15.000 Euro sollen zusammenkommen. Und alle fiebern mit: Schauspieler, Komparsen, Kamera-, Ton- und Kostümleute, Techniker und Assistenten verfolgen die Aktion über die Internetbrowser und zittern gemeinsam, erzählt Hauptdarsteller Daniel Weißbrodt, der das erste Mal vor einer Kamera stand.
 
Daniel Weißbrodt alias Jochen

»Ich bin seit zehn Jahren mit Larsen befreundet und als er mich im Januar anrief, hatte ich zuerst große Bedenken und auch Angst, dass das Ganze eine Art laienhaftes Theater wird«, so der 48-jährige Germanist, der als freier Autor arbeitet und vor drei Jahrzehnten auch ein guter Schwimmer war. Da die Probeaufnahmen im Clara-Zetkin-Park super liefen, willigte er ein. Von da an trafen sich die Freunde vier Wochen lang zwei Mal wöchentlich zum Joggen. »Das Training hat tatsächlich etwas verändert. Ich fühle mich jetzt fitter und im Frühjahr werde ich auch wieder loslegen«, erzählt der gebürtige Thüringer, der sich seit 1993 in Leipzig wohlfühlt. Die Stadt sei eine Traumkulisse mit ihren Seen und Landschaften: »›Jochen macht Triathlon‹ ist auch ein Leipzig-Film«, schwärmt der Darsteller.

Jochen, 47, Kettenraucher, arbeitslos, sitzt in seiner Gartenlaube beim Frühstück vorm großen Triathlon. Quelle: Team Jochen
Bewegung ins Leben bringen
Die einen Monat andauernden Dreharbeiten haben Daniel Weißbrodt aka Jochen auch vor Herausforderungen gestellt. »Zwei Tage vorher bin ich zu Hause über Kabel gestolpert und habe mir die Rippen geprellt. Ohne Schmerzmittel ging da gar nichts«, erinnert er sich. Ab neun Uhr morgens bis spät stand er mit den anderen am Set, danach habe er den Text für den neuen Tag gelernt. Und eins habe er gelernt: Um im Leben etwas zu verändern, brauche man nur den Willen, ein Fahrrad und ein Paar Laufschuhe.
 
Regina Katzer am 10. Dezember 2020 in der Leipziger Volkszeitung

9. Dezember 2020

Jochen macht Triathlon: No-Budget-Spielfilm aus Leipzig inspiriert zum über sich selbst hinauswachsen

Jochen macht Triathlon Dreh am Cospudener See, Foto: Team Jochen

Realisierung des Filmprojekts kann per Crowdfunding-Kampagne unterstützt werden

Eine Gruppe rund um die Leipziger Filmemacher Larsen Sechert und Paul Schlesier hat im vergangenen Sommer eine liebevolle No-Budget-Produktion über einen einfachen Mann erschaffen, der in der Mitte seines Lebens noch einmal ganz hoch hinauswill. Jochen, 47 und Kettenraucher, wird mit einer unverhofften Lebenswendung konfrontiert und dadurch motiviert, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Er beginnt, für einen Triathlon zu trainieren. Diese Lebenssituation, mit der sich zu Lockdown-Zeiten viele von uns identifizieren können, soll im kommenden Jahr als Spielfilm auf bundesweiten Festivals gezeigt werden und in den deutschen Programmkinos laufen.

Der Leipziger Autor und Regisseur Larsen Sechert schrieb den Roman zum Film über Jochen, der in seinem Leben eher wenige Erfolge zu verzeichnen hat. Es scheint, als wäre sein Schicksal besiegelt. Das ändert sich, als er unerwartet auf seine bereits erwachsene Tochter Hanna trifft, das Ergebnis einer längst verflossenen Beziehung mit seiner großen Liebe. Dieses Treffen stellt sich für ihn als Kehrtwende seines tristen Lebens heraus. Plötzlich hat er einen Grund, mehr aus sich herauszuholen, um seine Tochter stolz zu machen und fängt an, für einen Triathlon zu trainieren. Der Beginn eines bislang völlig unbekannten Erfolgserlebnisses in Jochens Leben.

Mit Paul Schlesier an der Kamera hat Larsen Sechert vergangenen Sommer einen Film produziert, der auf »witzige, leichte, subtil bewegende Weise beschreibt, wie einer vom Abstellgleis zurück ins Leben findet«, beschreibt René Dietz-Lingnau, verantwortlich für die Pressearbeit. Dabei wird Leipzig in Szene gesetzt, denn der gesamte Film wurde hier gedreht. Man begleitet Jochen beim Radfahren oder Laufen durch Kleingartenanlagen und Parks oder beim Schwimmen in den Leipziger Seen – kundige Leipziger werden hier sicher die ein oder andere Kulisse wiedererkennen.

Die ersten Trailer und Filmausschnitte wurden bereits veröffentlicht und versprechen Inspiration und vor allem Motivation, aus dem eigenen Leben das Beste herauszuholen.
Videomaterial siehe hier: https://bit.ly/3mQ6TmI

Und was könnte besser sein, als diese Motivation mit der wundervollen Natur Leipzigs und Umgebung zu verbinden und hier nach Jochens Vorbild einen neuen Lebensabschnitt einzuleiten?

Wer die Realisierung des Filmprojekts unterstützen möchte, kann sich bis zum 13. Dezember 2020 gern an der Crowdfunding-Kampagne beteiligen: www.startnext.com/jochen-macht-triathlon. Weitere Informationen: www.jochen-macht-triathlon.de

 

Lars Schumann auf www.leipziginfo.de

2. Dezember 2020

Das kleine Glück

»Jochen macht Triathlon«: Der gebürtige Hallenser Larsen Sechert hat seinen ersten Spielfilm gedreht. Die Geschichte eines Arbeitslosen, der neu durchstartet.

Raus aus dem Trott: Jochen (Daniel Weißbrodt, links) auf dem Arbeitsamt

»Kannst du dir vorstellen, die Hauptrolle in einem Film zu spielen?« Als der hochaufgeschossene Transkriptor, Autor und Wahlleipziger Daniel Weißbrodt, Jahrgang 1972, im Januar 2020 jene Gretchenfrage auf den Tisch gelegt bekam, geht seine Schauspielerfahrung gegen Null. So groß wie die Neugier waren die Zweifel. An den ersten Gedanken erinnert sich der gebürtige Suhler noch genau: »Mein Gott, das wird doch ein furchtbares Laiengehampel mit Fremdschämfaktor.« Sollte er sich solch einer Öffentlichkeit aussetzen?
Und wer kam überhaupt auf diese verwegene Idee? Der freiberufliche Schauspieler Larsen Sechert, Jahrgang 1976 und geboren in Halle, hat mit seinem Leipziger Knalltheater schon so manchen Zwerchfell-Volltreffer bei Groß und Klein gelandet. Als Sechert am Roman und am Drehbuch für »Jochen macht Triathlon« schrieb, hat er an seinen langjährigen Bekannten Weißbrodt denken müssen.
 
47, Raucher, arbeitslos
Ist das ein Kompliment? Immerhin sind Jochens Eigenschaften so fixiert: »47, Raucher, arbeitslos«. Weißbrodt erzählt: »Larsen hatte eine charmante Art, mich mit dieser Figur in Verbindung zu bringen. Und mir war der Jochen mit all seinen limitierten Fähigkeiten sofort ans Herz gewachsen.« Also kam es zu Probeaufnahmen und Weißbrodts Bedenken waren bald gegenstandslos: »Ich habe auf den Aufnahmen nicht mich, sondern den Jochen gesehen. Das hat mich überzeugt.« Der bislang zu sehende Trailer zeigt, dass sich Weißbrodts Besetzung für genau diese Rolle als großer Glücksgriff erweisen könnte.
Im Frühjahr wurden die Dinge dann angepackt, Sechert ließ seine Kontakte in der Schauspielszene glühen, man lieh sich eine Wohnung vom Romaverein »Romano Sumnal«, gedreht wurde ausschließlich in Leipzig und Umgebung. An 27 Drehtagen waren letztlich immer mehr als zehn Leute am Set, Sascha Kiesewetter brachte sein Ton-Equipement mit, andere technische Ausstattungen wurden geliehen. »Wir haben unter echten Kinobedingungen gedreht«, so Weißbrodt. Zudem konnte der Kameramann Paul Schlesier gewonnen werden: »Als Larsen mich fragte, war ich sofort von der bildlichen Sprache, der Gratwanderung zwischen ernster Thematik und dem erfrischenden, mal trockenen, mal intelligenten Humor begeistert.«
Doch wovon handelt der Film? »Es geht um Selbstermächtigung«, so Regisseur Sechert. Jochen fristet ein blasses Dasein. Und dann trifft er seine erwachsene Tochter, von der er bis dahin nichts wusste. In Jochen erwacht der Wunsch, seine Tochter (Ronja Rath) mit Stolz zu erfüllen, an der Pinnwand seines Hochhauses findet er den Aufruf zu einem Triathlon. Weißbrodt berichtet: »Wir erzählen keine Geschichte, wonach ein jeder seines Glückes Schmied sein kann, es geht nicht ums Gewinnen, sondern darum, dass jemand anfängt, sich plötzlich als Individuum zu begreifen.« Jochen begibt sich auf eine Reise. War er vorher von seinen Wünschen und Träumen abgekapselt, stellt ihn nun seine Tochter vor die Frage, wer er eigentlich sei. »Jochen hat bislang nur auf die Fresse bekommen, jetzt trifft er einen Menschen, der ihn einfach nur kennenlernen will. Das ist für ihn eine völlig neue Erfahrung«, so Weißbrodt, der sich daran erinnert, wie er mit weißen Tennissocken in den Sandalen, also mit Jochens Klamotten, nach dem Dreh in den Supermarkt gegangen ist: »Ich wurde anders wahrgenommen, fühlte mich anders. Ich war gedrückter, kleiner und weniger selbstbewusster, als ich eigentlich bin.«
Entstanden ist kein verkopftes Autorenkino, sondern eine Geschichte vom Glück der kleinen Leute. Sechert, der selbst einige missglückte Triathlon-Versuche hinter sich hat, verspricht einen Film mit »schrägen und absurden Elementen«, dramatische Züge inklusive. Verhandelt werden Grundsatzfragen: Was ist im Leben, trotz verblasster Jugend, noch möglich? Dabei schillern die Ebenen. Da gibt es die politische Ebene: das Hartz IV-System und der Niedriglohnsektor. Für den Kameramann Schlesier war der Drehort Leipzig-Grünau eine Begegnung mit seiner Herkunft. »Für mich war entscheidend, dass Jochen nicht vorgeführt, sondern ernst genommen wird«, so Weißbrodt.
 
Geld wird gesammelt
Derzeit bemüht sich das Team, möglichst viele Leute zu erreichen. Über eine Crowdfunding-Aktion soll bis 13. Dezember die Postproduktion des Filmes sichergestellt werden. Weißbrodt sagt zu: »Für alle, die uns unterstützen, bieten wir eine Gegenleistung, beispielsweise die DVD oder den Roman.« Anschließend wolle man sich an die Programmkinos wenden. Sechert lacht verschmitzt: »Wenn die Chefs unseren Film zeigen, dürfen Sie am Laufschuh unseres Hauptdarstellers riechen. Wenn das nicht zieht, weiß ich auch nicht.«
 
Mathias Schulze am 2. Dezember 2020 in der Mitteldeutschen Zeitung

20. November 2020

Kettenrauchen ist kein Hindernis für Triathleten: Filmteam braucht 15.000 Euro für »Jochen macht Triathlon«

Kettenrauchen ist kein Hindernis für Triathleten. Zumindest nicht für Jochen. Es gibt (nur!) vier Spielfilme mit und über Triathlon. Aber nur »Jochen macht Triathlon« nimmt soziale Stimmungen, familiäre Spannung und den sportlichen Teil zusammen auf. Mitten im Corona-Sommer 2020 drehte ein kleines Team den Spielfilm in Leipzig und Umgebung.

Die Geschichte von einem, dessen Leben ungenutzt verkümmert, der durch das Kennenlernen seiner erwachsenen Tochter in eine ganz unerwartete Spur findet, trainiert, reflektiert und Stück für Stück Selbstermächtigung gewinnt – das ist mittlerweile zu einer Corona-Metapher geworden. Zu einem großen Trotzdem! Neben der Story ist der Film auch ein ganz persönlicher Tribut an den Triathlonsport, aber auch eine Huldigung der Stadt Leipzig.

»Ist das nicht eine etwas dämliche Zeit, in einer Pandemie, ohne Geld, nicht nur den Film zu drehen, sondern ihn auch noch per Crowdfunding ins Kino bringen zu wollen?«, fragt René Dietz-Lingnau, der für Werbung und Marketing für »Jochen macht Triathlon« zuständig ist.

Larsen Sechert, Theatermann und der Mann hinter dem Film *grinst*: Der Film soll im nächsten Jahr in die Kinos kommen. Über Festivals bundesweit, lokal in Programmkinos. Ein Unterfangen mit Seltenheitswert im No-budget-Bereich.

»Warum, Larsen Sechert?«

»Weil die Kunst nicht schweigen darf, ob sie nun Geld hat oder nicht. Weil die kreative Produktion nicht aufhören darf. Und weil Hoffnung und Mut aus künstlerischen Prozessen kommen.«

Um wirklich einen kreativen Neustart zu zeigen, sammelt Team Jochen gerade über die Crowdfunding-Plattform Startnext Gelder ein. Die Postproduktion ist der Mammut-Teil des ganzen Unterfangens und soll angemessen finanziert werden.

Wenn das gelingt, sieht es gut aus, dass der Film Ende nächsten Sommers auf die Leinwand kommt. Und dabei auch noch Couchpotatos zu Sportskanonen macht. Oder zumindest auf der Couch belustigt.

 

Die Redaktion am 20. November 2020 in der Leipziger Internet Zeitung

19. November 2020

Raus aus der Midlife-Crisis: Kinofilm »Jochen macht Triathlon« – vom Kettenraucher zum Triathleten

Ab Spätsommer 2021 soll die deutsche Produktion »Jochen macht Triathlon« in den Kinos zu sehen sein. Der Film soll die Zuschauer dabei auf eine alles andere als typische Heldenreise mitnehmen.

Jochen, 47 Jahre alt, spiegelt das typische Bild eines Verlierers der Gesellschaft wider: Ein »perspektivloser Anti-Lebemann«, arbeitslos, Kettenraucher, wohnt im Plattenbau in Leipzig-Grünau. Doch eine kuriose Begegnung mit einer jungen Frau sollte schlagartig alles auf den Kopf stellen. Es stellt sich heraus, dass diese junge Frau seine Tochter Hanna ist, von der er zuvor nichts gewusst hat. Jochen beginnt damit, sein Leben zu überdenken und kommt auf die Idee, seine Tochter mit der Teilnahme an einem Triathlon zu beeindrucken, sodass sie stolz auf ihn sein kann. Ein gewagter Schritt heraus aus alten Verhaltensmustern und einem bislang ziemlich verkorksten Leben. Er beginnt mit dem strukturierten Training und krempelt auch den restlichen Alltag um. Er hört mit dem Rauchen auf, verdient mit dem Austragen von Zeitungen etwas Geld, zieht in eine Gartenlaube und entwickelt Stück für Stück mehr Selbstbewusstsein. Und auch von seiner kompletten sportlichen Talentfreiheit lässt sich Jochen nicht unterkriegen und schafft es bis an die Startlinie eines Ironman-Wettkampfs.
 
Parallelen zum Leben des Regisseurs
Jochen, gespielt von Daniel Weißbrodt, soll im Film von Regisseur und Drehbuchautor Larsen Sechert und Paul Schlesier (Regie/Kamera) ein Beispiel vieler Männer – mitten in der Midlife-Crisis zwischen Ende 30 und Mitte 40 – darstellen, die mit dem Ausdauersport beginnen und sich somit trotz körperlich sinkender Leistungsfähigkeit noch einmal ein Stück Jugendlichkeit zurückholen wollen, heißt es in der Beschreibung des Film.
Einige Parallelen hat das geplante Werk von Regisseur Sechert auch zu dessen eigenem Leben. Auch bei ihm klopfte Ende seiner 30er-Jahre die Midlife-Crisis an. Er begann mit dem Triathlontraining, wurde ebenfalls zum Nichtraucher und eigenen Aussagen zufolge letztendlich zum Vegetarier und Ökofreak. »Wenn die Geschichte unseres Helden dem einen oder anderen Mut macht, neue Herausforderungen, die sich nicht allein auf sportliche Ziele beschränken müssen, in Angriff zu nehmen, dann haben wir alles erreicht«, sagt Sechert im Exposé zum Film.
Die Dreharbeiten für den Film, der vermutlich ab dem Spätsommer 2021 hauptsächlich in kleineren Programmkinos zu sehen sein wird, sind bereits abgeschlossen. Für die Postproduktion des Films ist das Team noch bis Ende des Jahres über eine Crowdfunding-Aktion auf der Suche nach Unterstützern, um allen Beteiligten der Produktion eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen zu können.

 

Marvin Weber am 19. November 2020 in tri-mag

17. November 2020

Wenn die Ideen im Kopf rumoren, braucht man eine Form, in die diese gefasst werden können.

Eine dieser Formen wurde die Geschichte von Jochen. Einem vom Leben Abgehängten, der durch einen völlig unerwarteten Impuls seine Selbstermächtigung über den Sport wiederfindet.

 

Ich selbst, als damals 17jähriger, habe 1993 in Halle an der Saale beim Heidetriathlon meinen ersten Triathlon überhaupt absolviert. Nachdem ich als vorletzter Brustschwimmer aus dem Wasser gestiegen war, mich gefühlte zehn Minuten umgezogen hatte – währenddessen unerschütterlich in dem Glauben, dass ich sie auf dem Rad alle kriege – kam ich dann, nachdem ich auf der Laufstrecke auch noch falsch abgebogen bin, schließlich als Vorletzter ins Ziel. In den Worten des Sprechers: »Oh, da kommt noch ein Teilnehmer.«

Die Erfahrung war so niederschmetternd, dass ich es mit dem Triathlon erstmal wieder bleiben ließ. Und doch schmorte in mir der Wunsch, irgendwann im Leben eine Langdistanz zu finishen. Die Bilder von Hawaii haben mich oft zu Tränen gerührt.

Dann, mit Ende Dreißig, wenn beim Mann die midlife crisis anklopft, fing ich wieder mit dem Training an. Ich trotzte meiner mangelnden Begabung, besonders auf dem Rad, und 2019 bereitete mich nach erfreulichen Erlebnissen auf kleineren Strecken auf die Langdistanz vor.

Von Beruf bin ich freier Schauspieler und Spielleiter. Meine Arbeitszeiten gestalten sich sehr unterschiedlich, lassen aber immer ausreichend Lücken fürs Training. Im »Langdistanzjahr« stellte ich mit leichtem Unbehagen fest, dass ich mittlerweile mehr Zeit mit meinem Hobby Triathlon verbringe als in meinem Beruf. Und da kam der Gedanke, beides miteinander zu verbinden. An einem Roman war ich eh schon dran. So dachte ich mir, mache ich doch einen Spielfilm! Muss man davon eigentlich Ahnung haben?

Im Bekanntenkreis fand ich schnell Menschen, die beruflich mit Film, Kamera und Ton zu tun haben. Ohne deren Hilfe und Engagement wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen. Namentlich waren das Paul Schlesier, Lena Kömmling, Anika Koppe und Sascha Kiesewetter. Das Filmprojekt wuchs durch das Team, durch die Ausstattung und durch die Begeisterung aller Beteiligten.

Unseren Filmhelden Jochen setzten wir für seine ersten Trainingseinheiten vor der Kamera auf ein altes DDR-Klapprad. Mit seiner 1,90-Größe verlieh das der Szenerie einen wunderbaren Slapstick. Das Drehen der gesamten Radszenen gestaltete sich auch für ein Low-Budget-Filmprojekt als kreative Aufgabe. Um den Radfahrer, egal, ob der auf einem Carbon-Rennrad oder auf einer Klapperkiste mit 20 Zoll sitzt, mit der Kamera zu filmen und dabei mehrere Perspektiven einzufangen, braucht man eine Drohne, einen Gimbal (so ein Ding, an das man die Kamera montiert und ausbalanciert, damit die Bilder nicht so verwackelt werden) und eine Möglichkeit vor, hinter und neben dem Radfahrer zu fahren.

 

Wir probierten einiges aus wie:

  • Kameramann sitzt auf dem Gepäckträger (zu wacklig und zu riskant, immerhin wog die Kamera rund 6 Kilo und war zudem viel zu teuer, um damit einen Sturz zu riskieren)
  • Kameramann im Kinderanhänger (dafür war beides zu schwer, der Kinderanhänger fasste »nur« 80 Kilo)
  • Kameramann im Lastenrad (hier war der Lastenradfahrer stets im Weg)

 

Was letztlich funktionierte, war ein großer Anhänger. Darauf hatte der Kameramann genug Platz und sogar der Tonmann konnte noch mit drauf. Für mich, der das Rad vorm Anhänger mit zwei Leuten und ihrem kiloschweren Equipment fuhr, war es Training auf Maximalkraftniveau. Unsere Schauspieler durften bei den Dreharbeiten nicht zu schnell fahren, denn trotz Tretunterstützung schaffte ich nicht mehr als 20 Km/h.

Aber irgendwie rockten wir den einmonatigen Dreh. Sogar ein nur für den Dreh initiiertes Triathlonrennen konnten wir filmen.

Kleiner erfreulicher Nebeneffekt: Unser Hauptdarsteller, Daniel Weißbrodt, sonst starker Raucher, begann zur Vorbereitung auf die Rolle mit dem Sporttreiben und schaffte es sogar, zeitweise ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Ganz wie der Held im Film!

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, und jetzt kommt die eigentliche Aufgabe: Der Film geht in die Postproduktion. Wir hoffen dafür genug Gelder über die Crowdfounding-Plattform Startnext einzuwerben. Wenn das gelingt, sieht es gut aus, dass der Film Ende nächsten Sommers auf die Leinwand kommt. Und hoffentlich so manche Couchpotato zum Sportmachen motiviert.

 

Larsen Sechert am 17. November 2020 in ilovecycling

13. August 2020

Midlife-Mut statt Midlife-Crisis: Larsen Sechert dreht »Jochen macht Triathlon«

Midlife-Mut statt Midlife-Crisis: Larsen Sechert dreht »Jochen macht Triathlon«

Jochen, Mitte 40, arbeitslos, parkt auf dem Abstellgleis des Lebens. Bis er erfährt, eine erwachsene Tochter zu haben. Es ist die Geschichte eines Aufbruchs. Und eine kleine Parallele zum Leben des Leipziger Clowns Larsen Sechert. Auch er bricht auf – und stürzt sich ohne Vorerfahrung in das Filmabenteuer.

Die Kamera sucht eine neue Position. Die Sportler formieren sich. Wieder müssen 16 Triathleten ins Wasser springen. Und Larsen Sechert erklärt die Einstellung: »Ihr werdet jetzt von hinten gefilmt.« Kunstpause. »Spannt die Arschmuskeln an.«

Sechert ist Clown, Schauspieler, Autor und mit dem Mikrofon in der Hand in seinem Element. So kennt man ihn von der Bühne, aktuell bis Ende August auf dem Feinkostgelände. Er findet den kurzen Weg zum nächsten Gag. Das hilft auch als Regisseur am Ufer des Markkleeberger Sees. Die Sonne brennt, der Sand grillt die Fußsohlen. Und Sechert hält die Komparsen bei Laune, die für den Kinostreifen »Jochen macht Triathlon« dreimal ins Wasser rennen müssen, bis alle Bilder im Kasten sind. Und zwischendurch warten. Immer wieder warten.

»Sieben Stunden lang und keiner meckert.« Wenn Sechert vom Team spricht, dann schwingt Stolz mit. Und ein Hauch Unglaube, wie viele Menschen sich mit Herzblut einer Idee verschreiben, die Sechert vor einiger Zeit in den Sinn kam – und die ihm, wie er offen einräumt, längst über den Kopf gewachsen ist. »Ich dachte, wir machen das zu dritt. Jetzt sind immer mindestens zehn Leute am Set.«

Vom Drehen hatte er keine Ahnung, als er loslegte. Möglich wird es, weil er kundige Mitstreiter begeistern konnte, allen voran Regie-Partner und Kameramann Paul Schlesier. Und weil sich Sechert mit 43, in einem Alter, in dem es sich andere auf dem eingeschlagenen Weg bequem machen, mit Energie in Neues stürzt. So weist das Geschehen vor und hinter der Kamera einige Parallelen auf. Eine Art Midlife-Crisis-Film hat sich Sechert ausgedacht. Aber eben nicht die erwartbare Krisen-Komödie, sondern den Schritt heraus aus dem Sumpf. »Ich habe keine Zeigefinger-Ambitionen«, sagt er. »Aber wenn sich durch den Film jemand aufrafft, wäre das schön.«

Die Story dreht sich um den arbeitslosen Jochen, Mitte 40, der auf dem Abstellgleis des Lebens parkt. Bis er auf seine erwachsene Tochter Hanna – gespielt von der Schauspielstudentin Ronja Rath – trifft, von der er zuvor nichts ahnte. Jochen legt die Zigaretten weg, trainiert für seinen ersten Triathlon und kapiert erst spät, für wen er das alles auf sich nimmt.

Sechert steigt selbst seit rund vier Jahren ins Schwimmbecken, aufs Rennrad, läuft, wagt sich an zwei, drei Wettkämpfe im Jahr. Das Rauchen hat er wie Jochen aufgegeben. Auf der Bühne fühlt er sich präsenter. Er kennt das Gefühl, sich aufzuraffen und ungeahnte Fähigkeiten wachzukitzeln. Eine Erfahrung, die das Drehbuch durchzieht, zugleich aber auch den ursprünglichen Plan vernichtet, Jochen selbst zu spielen. Sechert ist schlicht zu fit.

In die Rolle schlüpft jetzt Daniel Weißbrodt, eigentlich Historiker mit kaum Schauspielerfahrung, der aber einen überzeugenden Zugang zur Jochen-Rolle gefunden hat. Hoch aufgeschossen überragt er das Starterfeld am See. Auf seinen Sieg würde niemand setzen. Aber darum geht es nicht, es geht um den Sieg über sich selbst, um den kleinen Anstoß, der für große Veränderungen sorgt. Jochen krempelt sein Leben um und merkt, dass es nicht zu spät ist. Die Schluss-Szene, eine Begegnung mit Hanna, wurde gerade im Café »Süß und Salzig« in Lindenau gedreht.

Hätte es nicht einfach ein Roman getan? »Ich hatte schon zu viele Bilder im Kopf«, sagt Sechert und gibt zu, dass er ohne Paul Schlesier aufgeschmissen wäre. Schlesier, Autodidakt, dreht sonst Musik-Videos. »Er ist der eigentliche Motor des Films«, schwärmt Sechert. Schlesier hat das Kamerateam erweitert, Leute für das Licht angeheuert, ebenso Sascha Kiesewetter, der bei der Pfeffermühle spielt und jetzt am Set für professionellen Ton sorgt. Das Puschelmikrofon an der Teleskopstange ragt in den blauen Himmel am See.

Wenn Sechert sagt, »Ich bin gerade dabei, 12 000 Euro in den Sand zu setzen«, klingt er erstaunlich entspannt. Er hat den Film vorfinanziert. Ob das Geld ab Herbst, wenn die Crowdfunding-Aktion beginnt, oder in einem Jahr, wenn »Jochen macht Triathlon« seinen Platz in den Programmkinos sucht, wieder eingespielt wird, weiß Sechert nicht. Aber er weiß, dass er den Film dennoch drehen muss. »Sonst hätte mir der Film als Gespenst eines unverwirklichten Traumes ewig im Kopf herumgespukt.«

 

Dimo Rieß am 13. August 2020 in der Leipziger Volkszeitung

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Daniel Weißbrodt