13. August 2020

Midlife-Mut statt Midlife-Crisis: Larsen Sechert dreht »Jochen macht Triathlon«

Beim Dreh am See: Kameramann Paul Schlesier, Daniel Weißbrodt als Jochen, Regisseur Larsen Sechert und Tonmann Sascha Kiesewetter (v.l.) Foto: Anke Duensing

Jochen, Mitte 40, arbeitslos, parkt auf dem Abstellgleis des Lebens. Bis er erfährt, eine erwachsene Tochter zu haben. Es ist die Geschichte eines Aufbruchs. Und eine kleine Parallele zum Leben des Leipziger Clowns Larsen Sechert. Auch er bricht auf – und stürzt sich ohne Vorerfahrung in das Filmabenteuer.

Die Kamera sucht eine neue Position. Die Sportler formieren sich. Wieder müssen 16 Triathleten ins Wasser springen. Und Larsen Sechert erklärt die Einstellung: »Ihr werdet jetzt von hinten gefilmt.« Kunstpause. »Spannt die Arschmuskeln an.«

Sechert ist Clown, Schauspieler, Autor und mit dem Mikrofon in der Hand in seinem Element. So kennt man ihn von der Bühne, aktuell bis Ende August auf dem Feinkostgelände. Er findet den kurzen Weg zum nächsten Gag. Das hilft auch als Regisseur am Ufer des Markkleeberger Sees. Die Sonne brennt, der Sand grillt die Fußsohlen. Und Sechert hält die Komparsen bei Laune, die für den Kinostreifen »Jochen macht Triathlon« dreimal ins Wasser rennen müssen, bis alle Bilder im Kasten sind. Und zwischendurch warten. Immer wieder warten.

»Sieben Stunden lang und keiner meckert.« Wenn Sechert vom Team spricht, dann schwingt Stolz mit. Und ein Hauch Unglaube, wie viele Menschen sich mit Herzblut einer Idee verschreiben, die Sechert vor einiger Zeit in den Sinn kam – und die ihm, wie er offen einräumt, längst über den Kopf gewachsen ist. »Ich dachte, wir machen das zu dritt. Jetzt sind immer mindestens zehn Leute am Set.«

Vom Drehen hatte er keine Ahnung, als er loslegte. Möglich wird es, weil er kundige Mitstreiter begeistern konnte, allen voran Regie-Partner und Kameramann Paul Schlesier. Und weil sich Sechert mit 43, in einem Alter, in dem es sich andere auf dem eingeschlagenen Weg bequem machen, mit Energie in Neues stürzt. So weist das Geschehen vor und hinter der Kamera einige Parallelen auf. Eine Art Midlife-Crisis-Film hat sich Sechert ausgedacht. Aber eben nicht die erwartbare Krisen-Komödie, sondern den Schritt heraus aus dem Sumpf. »Ich habe keine Zeigefinger-Ambitionen«, sagt er. »Aber wenn sich durch den Film jemand aufrafft, wäre das schön.«

Die Story dreht sich um den arbeitslosen Jochen, Mitte 40, der auf dem Abstellgleis des Lebens parkt. Bis er auf seine erwachsene Tochter Hanna – gespielt von der Schauspielstudentin Ronja Rath – trifft, von der er zuvor nichts ahnte. Jochen legt die Zigaretten weg, trainiert für seinen ersten Triathlon und kapiert erst spät, für wen er das alles auf sich nimmt.

Sechert steigt selbst seit rund vier Jahren ins Schwimmbecken, aufs Rennrad, läuft, wagt sich an zwei, drei Wettkämpfe im Jahr. Das Rauchen hat er wie Jochen aufgegeben. Auf der Bühne fühlt er sich präsenter. Er kennt das Gefühl, sich aufzuraffen und ungeahnte Fähigkeiten wachzukitzeln. Eine Erfahrung, die das Drehbuch durchzieht, zugleich aber auch den ursprünglichen Plan vernichtet, Jochen selbst zu spielen. Sechert ist schlicht zu fit.

In die Rolle schlüpft jetzt Daniel Weißbrodt, eigentlich Historiker mit kaum Schauspielerfahrung, der aber einen überzeugenden Zugang zur Jochen-Rolle gefunden hat. Hoch aufgeschossen überragt er das Starterfeld am See. Auf seinen Sieg würde niemand setzen. Aber darum geht es nicht, es geht um den Sieg über sich selbst, um den kleinen Anstoß, der für große Veränderungen sorgt. Jochen krempelt sein Leben um und merkt, dass es nicht zu spät ist. Die Schluss-Szene, eine Begegnung mit Hanna, wurde gerade im Café »Süß und Salzig« in Lindenau gedreht.

Hätte es nicht einfach ein Roman getan? »Ich hatte schon zu viele Bilder im Kopf«, sagt Sechert und gibt zu, dass er ohne Paul Schlesier aufgeschmissen wäre. Schlesier, Autodidakt, dreht sonst Musik-Videos. »Er ist der eigentliche Motor des Films«, schwärmt Sechert. Schlesier hat das Kamerateam erweitert, Leute für das Licht angeheuert, ebenso Sascha Kiesewetter, der bei der Pfeffermühle spielt und jetzt am Set für professionellen Ton sorgt. Das Puschelmikrofon an der Teleskopstange ragt in den blauen Himmel am See.

Wenn Sechert sagt, »Ich bin gerade dabei, 12 000 Euro in den Sand zu setzen«, klingt er erstaunlich entspannt. Er hat den Film vorfinanziert. Ob das Geld ab Herbst, wenn die Crowdfunding-Aktion beginnt, oder in einem Jahr, wenn »Jochen macht Triathlon« seinen Platz in den Programmkinos sucht, wieder eingespielt wird, weiß Sechert nicht. Aber er weiß, dass er den Film dennoch drehen muss. »Sonst hätte mir der Film als Gespenst eines unverwirklichten Traumes ewig im Kopf herumgespukt.«

 

Dimo Rieß am 13. August 2020 in der Leipziger Volkszeitung

17. November 2020

Wenn die Ideen im Kopf rumoren, braucht man eine Form, in die diese gefasst werden können.

Eine dieser Formen wurde die Geschichte von Jochen. Einem vom Leben Abgehängten, der durch einen völlig unerwarteten Impuls seine Selbstermächtigung über den Sport wiederfindet.

 

Ich selbst, als damals 17jähriger, habe 1993 in Halle an der Saale beim Heidetriathlon meinen ersten Triathlon überhaupt absolviert. Nachdem ich als vorletzter Brustschwimmer aus dem Wasser gestiegen war, mich gefühlte zehn Minuten umgezogen hatte – währenddessen unerschütterlich in dem Glauben, dass ich sie auf dem Rad alle kriege – kam ich dann, nachdem ich auf der Laufstrecke auch noch falsch abgebogen bin, schließlich als Vorletzter ins Ziel. In den Worten des Sprechers: »Oh, da kommt noch ein Teilnehmer.«

Die Erfahrung war so niederschmetternd, dass ich es mit dem Triathlon erstmal wieder bleiben ließ. Und doch schmorte in mir der Wunsch, irgendwann im Leben eine Langdistanz zu finishen. Die Bilder von Hawaii haben mich oft zu Tränen gerührt.

Dann, mit Ende Dreißig, wenn beim Mann die midlife crisis anklopft, fing ich wieder mit dem Training an. Ich trotzte meiner mangelnden Begabung, besonders auf dem Rad, und 2019 bereitete mich nach erfreulichen Erlebnissen auf kleineren Strecken auf die Langdistanz vor.

 

Von Beruf bin ich freier Schauspieler und Spielleiter. Meine Arbeitszeiten gestalten sich sehr unterschiedlich, lassen aber immer ausreichend Lücken fürs Training. Im »Langdistanzjahr« stellte ich mit leichtem Unbehagen fest, dass ich mittlerweile mehr Zeit mit meinem Hobby Triathlon verbringe als in meinem Beruf. Und da kam der Gedanke, beides miteinander zu verbinden. An einem Roman war ich eh schon dran. So dachte ich mir, mache ich doch einen Spielfilm! Muss man davon eigentlich Ahnung haben?

Im Bekanntenkreis fand ich schnell Menschen, die beruflich mit Film, Kamera und Ton zu tun haben. Ohne deren Hilfe und Engagement wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen. Namentlich waren das Paul Schlesier, Lena Kömmling, Anika Koppe und Sascha Kiesewetter. Das Filmprojekt wuchs durch das Team, durch die Ausstattung und durch die Begeisterung aller Beteiligten.

 

Unseren Filmhelden Jochen setzten wir für seine ersten Trainingseinheiten vor der Kamera auf ein altes DDR-Klapprad. Mit seiner 1,90-Größe verlieh das der Szenerie einen wunderbaren Slapstick. Das Drehen der gesamten Radszenen gestaltete sich auch für ein Low-Budget-Filmprojekt als kreative Aufgabe. Um den Radfahrer, egal, ob der auf einem Carbon-Rennrad oder auf einer Klapperkiste mit 20 Zoll sitzt, mit der Kamera zu filmen und dabei mehrere Perspektiven einzufangen, braucht man eine Drohne, einen Gimbal (so ein Ding, an das man die Kamera montiert und ausbalanciert, damit die Bilder nicht so verwackelt werden) und eine Möglichkeit vor, hinter und neben dem Radfahrer zu fahren.

 

Wir probierten einiges aus wie:

  • Kameramann sitzt auf dem Gepäckträger (zu wacklig und zu riskant, immerhin wog die Kamera rund 6 Kilo und war zudem viel zu teuer, um damit einen Sturz zu riskieren)
  • Kameramann im Kinderanhänger (dafür war beides zu schwer, der Kinderanhänger fasste »nur« 80 Kilo)
  • Kameramann im Lastenrad (hier war der Lastenradfahrer stets im Weg)

 

Was letztlich funktionierte, war ein großer Anhänger. Darauf hatte der Kameramann genug Platz und sogar der Tonmann konnte noch mit drauf. Für mich, der das Rad vorm Anhänger mit zwei Leuten und ihrem kiloschweren Equipment fuhr, war es Training auf Maximalkraftniveau. Unsere Schauspieler durften bei den Dreharbeiten nicht zu schnell fahren, denn trotz Tretunterstützung schaffte ich nicht mehr als 20 Km/h.

Aber irgendwie rockten wir den einmonatigen Dreh. Sogar ein nur für den Dreh initiiertes Triathlonrennen konnten wir filmen.

 

Kleiner erfreulicher Nebeneffekt: Unser Hauptdarsteller, Daniel Weißbrodt, sonst starker Raucher, begann zur Vorbereitung auf die Rolle mit dem Sporttreiben und schaffte es sogar, zeitweise ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Ganz wie der Held im Film!

Die Dreharbeiten sind abgeschlossen, und jetzt kommt die eigentliche Aufgabe: Der Film geht in die Postproduktion. Wir hoffen dafür genug Gelder über die Crowdfounding-Plattform Startnext einzuwerben. Wenn das gelingt, sieht es gut aus, dass der Film Ende nächsten Sommers auf die Leinwand kommt. Und hoffentlich so manche Couchpotato zum Sportmachen motiviert.

 

Larsen Sechert am 17. November 2020 in ilovecycling

19. November 2020

Raus aus der Midlife-Crisis: Kinofilm »Jochen macht Triathlon« – vom Kettenraucher zum Triathleten

Ab Spätsommer 2021 soll die deutsche Produktion »Jochen macht Triathlon« in den Kinos zu sehen sein. Der Film soll die Zuschauer dabei auf eine alles andere als typische Heldenreise mitnehmen.

Jochen, 47 Jahre alt, spiegelt das typische Bild eines Verlierers der Gesellschaft wider: Ein »perspektivloser Anti-Lebemann«, arbeitslos, Kettenraucher, wohnt im Plattenbau in Leipzig-Grünau. Doch eine kuriose Begegnung mit einer jungen Frau sollte schlagartig alles auf den Kopf stellen. Es stellt sich heraus, dass diese junge Frau seine Tochter Hanna ist, von der er zuvor nichts gewusst hat. Jochen beginnt damit, sein Leben zu überdenken und kommt auf die Idee, seine Tochter mit der Teilnahme an einem Triathlon zu beeindrucken, sodass sie stolz auf ihn sein kann. Ein gewagter Schritt heraus aus alten Verhaltensmustern und einem bislang ziemlich verkorksten Leben. Er beginnt mit dem strukturierten Training und krempelt auch den restlichen Alltag um. Er hört mit dem Rauchen auf, verdient mit dem Austragen von Zeitungen etwas Geld, zieht in eine Gartenlaube und entwickelt Stück für Stück mehr Selbstbewusstsein. Und auch von seiner kompletten sportlichen Talentfreiheit lässt sich Jochen nicht unterkriegen und schafft es bis an die Startlinie eines Ironman-Wettkampfs.
 
Parallelen zum Leben des Regisseurs
Jochen, gespielt von Daniel Weißbrodt, soll im Film von Regisseur und Drehbuchautor Larsen Sechert und Paul Schlesier (Regie/Kamera) ein Beispiel vieler Männer – mitten in der Midlife-Crisis zwischen Ende 30 und Mitte 40 – darstellen, die mit dem Ausdauersport beginnen und sich somit trotz körperlich sinkender Leistungsfähigkeit noch einmal ein Stück Jugendlichkeit zurückholen wollen, heißt es in der Beschreibung des Film.
 
Einige Parallelen hat das geplante Werk von Regisseur Sechert auch zu dessen eigenem Leben. Auch bei ihm klopfte Ende seiner 30er-Jahre die Midlife-Crisis an. Er begann mit dem Triathlontraining, wurde ebenfalls zum Nichtraucher und eigenen Aussagen zufolge letztendlich zum Vegetarier und Ökofreak. »Wenn die Geschichte unseres Helden dem einen oder anderen Mut macht, neue Herausforderungen, die sich nicht allein auf sportliche Ziele beschränken müssen, in Angriff zu nehmen, dann haben wir alles erreicht«, sagt Sechert im Exposé zum Film.
 

Die Dreharbeiten für den Film, der vermutlich ab dem Spätsommer 2021 hauptsächlich in kleineren Programmkinos zu sehen sein wird, sind bereits abgeschlossen. Für die Postproduktion des Films ist das Team noch bis Ende des Jahres über eine Crowdfunding-Aktion auf der Suche nach Unterstützern, um allen Beteiligten der Produktion eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen zu können.

 

Marvin Weber am 19. November 2020 in tri-mag

20. November 2020

Kettenrauchen ist kein Hindernis für Triathleten: Filmteam braucht 15.000 Euro für »Jochen macht Triathlon«

Kettenrauchen ist kein Hindernis für Triathleten. Zumindest nicht für Jochen. Es gibt (nur!) vier Spielfilme mit und über Triathlon. Aber nur »Jochen macht Triathlon« nimmt soziale Stimmungen, familiäre Spannung und den sportlichen Teil zusammen auf. Mitten im Corona-Sommer 2020 drehte ein kleines Team den Spielfilm in Leipzig und Umgebung.

Die Geschichte von einem, dessen Leben ungenutzt verkümmert, der durch das Kennenlernen seiner erwachsenen Tochter in eine ganz unerwartete Spur findet, trainiert, reflektiert und Stück für Stück Selbstermächtigung gewinnt – das ist mittlerweile zu einer Corona-Metapher geworden. Zu einem großen Trotzdem! Neben der Story ist der Film auch ein ganz persönlicher Tribut an den Triathlonsport, aber auch eine Huldigung der Stadt Leipzig.

»Ist das nicht eine etwas dämliche Zeit, in einer Pandemie, ohne Geld, nicht nur den Film zu drehen, sondern ihn auch noch per Crowdfunding ins Kino bringen zu wollen?«, fragt René Dietz-Lingnau, der für Werbung und Marketing für »Jochen macht Triathlon« zuständig ist.

Larsen Sechert, Theatermann und der Mann hinter dem Film *grinst*: Der Film soll im nächsten Jahr in die Kinos kommen. Über Festivals bundesweit, lokal in Programmkinos. Ein Unterfangen mit Seltenheitswert im No-budget-Bereich.

»Warum, Larsen Sechert?«

»Weil die Kunst nicht schweigen darf, ob sie nun Geld hat oder nicht. Weil die kreative Produktion nicht aufhören darf. Und weil Hoffnung und Mut aus künstlerischen Prozessen kommen.«

Um wirklich einen kreativen Neustart zu zeigen, sammelt Team Jochen gerade über die Crowdfunding-Plattform Startnext Gelder ein. Die Postproduktion ist der Mammut-Teil des ganzen Unterfangens und soll angemessen finanziert werden.

Wenn das gelingt, sieht es gut aus, dass der Film Ende nächsten Sommers auf die Leinwand kommt. Und dabei auch noch Couchpotatos zu Sportskanonen macht. Oder zumindest auf der Couch belustigt.

 

Die Redaktion am 20. November 2020 in der Leipziger Internet Zeitung

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© Daniel Weißbrodt