1. August 2020

Midlife-Mut statt Midlife-Crisis: Larsen Sechert dreht »Jochen macht Triathlon«

Jochen, Mitte 40, arbeitslos, parkt auf dem Abstellgleis des Lebens. Bis er erfährt, eine erwachsene Tochter zu haben. Es ist die Geschichte eines Aufbruchs. Und eine kleine Parallele zum Leben des Leipziger Clowns Larsen Sechert. Auch er bricht auf – und stürzt sich ohne Vorerfahrung in das Filmabenteuer.

Beim Dreh am See: Kameramann Paul Schlesier, Daniel Weißbrodt als Jochen, Regisseur Larsen Sechert und Tonmann Sascha Kiesewetter (v.l.) Foto: Anke Duensing

Die Kamera sucht eine neue Position. Die Sportler formieren sich. Wieder müssen 16 Triathleten ins Wasser springen. Und Larsen Sechert erklärt die Einstellung: »Ihr werdet jetzt von hinten gefilmt.« Kunstpause. »Spannt die Arschmuskeln an.«

Sechert ist Clown, Schauspieler, Autor und mit dem Mikrofon in der Hand in seinem Element. So kennt man ihn von der Bühne, aktuell bis Ende August auf dem Feinkostgelände. Er findet den kurzen Weg zum nächsten Gag. Das hilft auch als Regisseur am Ufer des Markkleeberger Sees. Die Sonne brennt, der Sand grillt die Fußsohlen. Und Sechert hält die Komparsen bei Laune, die für den Kinostreifen »Jochen macht Triathlon« dreimal ins Wasser rennen müssen, bis alle Bilder im Kasten sind. Und zwischendurch warten. Immer wieder warten.

»Sieben Stunden lang und keiner meckert.« Wenn Sechert vom Team spricht, dann schwingt Stolz mit. Und ein Hauch Unglaube, wie viele Menschen sich mit Herzblut einer Idee verschreiben, die Sechert vor einiger Zeit in den Sinn kam – und die ihm, wie er offen einräumt, längst über den Kopf gewachsen ist. »Ich dachte, wir machen das zu dritt. Jetzt sind immer mindestens zehn Leute am Set.«

Vom Drehen hatte er keine Ahnung, als er loslegte. Möglich wird es, weil er kundige Mitstreiter begeistern konnte, allen voran Regie-Partner und Kameramann Paul Schlesier. Und weil sich Sechert mit 43, in einem Alter, in dem es sich andere auf dem eingeschlagenen Weg bequem machen, mit Energie in Neues stürzt. So weist das Geschehen vor und hinter der Kamera einige Parallelen auf. Eine Art Midlife-Crisis-Film hat sich Sechert ausgedacht. Aber eben nicht die erwartbare Krisen-Komödie, sondern den Schritt heraus aus dem Sumpf. »Ich habe keine Zeigefinger-Ambitionen«, sagt er. »Aber wenn sich durch den Film jemand aufrafft, wäre das schön.«

Die Story dreht sich um den arbeitslosen Jochen, Mitte 40, der auf dem Abstellgleis des Lebens parkt. Bis er auf seine erwachsene Tochter Hanna – gespielt von der Schauspielstudentin Ronja Rath – trifft, von der er zuvor nichts ahnte. Jochen legt die Zigaretten weg, trainiert für seinen ersten Triathlon und kapiert erst spät, für wen er das alles auf sich nimmt.

Sechert steigt selbst seit rund vier Jahren ins Schwimmbecken, aufs Rennrad, läuft, wagt sich an zwei, drei Wettkämpfe im Jahr. Das Rauchen hat er wie Jochen aufgegeben. Auf der Bühne fühlt er sich präsenter. Er kennt das Gefühl, sich aufzuraffen und ungeahnte Fähigkeiten wachzukitzeln. Eine Erfahrung, die das Drehbuch durchzieht, zugleich aber auch den ursprünglichen Plan vernichtet, Jochen selbst zu spielen. Sechert ist schlicht zu fit.

In die Rolle schlüpft jetzt Daniel Weißbrodt, eigentlich Historiker mit kaum Schauspielerfahrung, der aber einen überzeugenden Zugang zur Jochen-Rolle gefunden hat. Hoch aufgeschossen überragt er das Starterfeld am See. Auf seinen Sieg würde niemand setzen. Aber darum geht es nicht, es geht um den Sieg über sich selbst, um den kleinen Anstoß, der für große Veränderungen sorgt. Jochen krempelt sein Leben um und merkt, dass es nicht zu spät ist. Die Schluss-Szene, eine Begegnung mit Hanna, wurde gerade im Café »Süß und Salzig« in Lindenau gedreht.

Hätte es nicht einfach ein Roman getan? »Ich hatte schon zu viele Bilder im Kopf«, sagt Sechert und gibt zu, dass er ohne Paul Schlesier aufgeschmissen wäre. Schlesier, Autodidakt, dreht sonst Musik-Videos. »Er ist der eigentliche Motor des Films«, schwärmt Sechert. Schlesier hat das Kamerateam erweitert, Leute für das Licht angeheuert, ebenso Sascha Kiesewetter, der bei der Pfeffermühle spielt und jetzt am Set für professionellen Ton sorgt. Das Puschelmikrofon an der Teleskopstange ragt in den blauen Himmel am See.

Wenn Sechert sagt, »Ich bin gerade dabei, 12 000 Euro in den Sand zu setzen«, klingt er erstaunlich entspannt. Er hat den Film vorfinanziert. Ob das Geld ab Herbst, wenn die Crowdfunding-Aktion beginnt, oder in einem Jahr, wenn »Jochen macht Triathlon« seinen Platz in den Programmkinos sucht, wieder eingespielt wird, weiß Sechert nicht. Aber er weiß, dass er den Film dennoch drehen muss. »Sonst hätte mir der Film als Gespenst eines unverwirklichten Traumes ewig im Kopf herumgespukt.«

Dimo Rieß am 13. August 2020 in der Leipziger Volkszeitung

16. Juli 2020

Meta-Gig »Dreh vom Dreh« – Philmann streamt vom Set

Paul (M) bereitet die Kamerafahrt im Volvo vor, Lena alles andere, Sascha den Ton

VERÖFFENTLICHT
AM

Paul muss mit der Cam seine Shots richtig platzieren, die scenes killen aber die player saven, und das mit möglichst wenig takes. Das klappt nicht immer, der walkthrough stockt hier und da. Neuversuch. Philmann kommentiert sein gameplay und will ohne Blessuren und ohne stream-Riss durch den Drehtag kommen.

Für euch dabei: Live-run gegen Motorrad (»safe Gleichstand«) und eigenes Triathlon-Training. Er schwitzt, findet Erholung zwischen Blumen und mit den richtigen Fragen das nächste easter egg. Außerdem schaltet er nacheinander verschiedene outfits frei (aka. »Gesichtsmaske«).

Ey, warum ist Paul Schlesier, immerhin Kamera-Man und 2. Regisseur!, nicht im Interview? Na weil er den ganzen Stream über erzählt, erklärt, Philmann rumfährt und sogar vor der Kamera schläft!

10. Juni 2020

Drehstart

Der Wald ist schön grün. Die Abstände stimmen. Jochen (Daniel Weißbrodt, li.) noch nicht ganz satt. Wir haben begonnen, Jochen laufen zu lassen und ihm Leben einzuhauchen. Begleitet uns auf unserer Reise und beim Dreh!

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© Daniel Weißbrodt