Das Bedingungslose Grundeinkommen – Warum eigentlich?

1. Arbeit

 
Nur bezahlte Arbeit geht ein in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Unbezahlte Arbeit ist Care-Arbeit, die Arbeit im Haushalt und in der Familie, in der Erziehung etwa und der Pflege, aber auch Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Tätigkeiten, usw.
Beide Formen der Arbeit bedingen einander. Unbezahlte Arbeit ist die Voraussetzung für jede bezahlte Arbeit, aber auch die Erzeugnisse der bezahlten Arbeit kommen der unbezahlten Arbeit zugute.
Es gibt Gesellschaften mit einem geringen Anteil bezahlter Arbeit und einem entsprechend kleinen BIP, aber es gibt keine Gesellschaft, in der keine unbezahlte Arbeit verrichtet wird.
 
- 60 % aller Arbeit ist unbezahlt
- Frauen leisten mehr Arbeit als Männer, aber weniger bezahlte Arbeit
- Frauen haben augrund dessen geringere Einkommen, weniger Rente und Vermögen
 
Quelle: https://stats.oecd.org/index.aspx?queryid=54757
2. Einkommensverteilung gegenwärtig und in einer Grundeinkommensgesellschaft
Das Nationaleinkommen verteilt sich auf 30 Prozent Unternehmensgewinne sowie Kapitaleinkommen und auf 70 Prozent Einkommen für bezahlte Arbeit.
Die Einkommen sind sehr ungleich verteilt, und nach Steuern und Sozialabgaben ergibt sich eine Verteilung der Nettoeinkommen wie rechts im Bild.
Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen in Höhe von 60 Prozent des Medianeinkommens gäbe es wie links im Bild zu sehen  sowohl keine existenzielle als auch keine relative Armut (Armutsgefährdungsgrenze = 60 Prozent des Medianeinkommens, Armut = 50 Prozent des Medianeinkommens) mehr.
Es wäre eine Umverteilung von 1.200 Milliarden Euro notwendig, also von einem Drittel des
BIP, in der Folge würde das Medianeinkommen von 1.660 auf 1.895 EUR steigen, und der
Anteil des ärmsten Zehntels (Dezils) der Bevölkerung würde sich von 3,7 auf 5,6 Prozent des
Nationaleinkommens erhöhen.
Die unteren vier Einkommensfünftel hätten in einer solchen nivellierten Grundeinkommensgesellschaft im Schnitt pro Kopf und Monat ca. 300 EUR mehr – die Ärmeren mehr, die mittleren Schichten weniger – zur Verfügung, für das 9. Dezil änderte sich nichts, und lediglich die oberen zehn Prozent – also ab einem Nettoeinkommen von 3.500 EUR als Single – hätten entsprechend weniger zur Verfügung. Ihr Anteil am Nationaleinkommen würde sich deutlich von heute 23,1 Prozent auf nur noch 16,5 Prozent des Nationaleinkommens verringern, sie würden aber gleichwohl nicht verarmen, und das obere Einkommensdrittel würde noch immer 2/3 des Nationaleinkommens auf sich vereinen.
Möglich wäre eine solche Umverteilung durch ein deutlich progressiveres Steuersystem, das
zudem auch Kapitaleinkommen gleich besteuert wie Arbeitseinkommen.
 
Ein historisches Beispiel
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 führte in Europa mit der ihr folgenden Sparpolitik zu einem starken Anstieg der Armut und zu gesellschaftlichen Unruhen, zum Erstarken radikaler Kräfte und schließlich zur Herrschaft des Nationalsozialismus und zum Zweiten Weltkrieg.
In den USA hingegen sah die Entwicklung anders aus. Neben einem Ausbau des Sozialstaats und Hilfen für die Ärmsten wurde der Spitzensteuersatz 1933 auf über 60 % angehoben, und von 1941 bis 1964 galt durchgängig ein Spitzensteuersatz von 90, teilweise sogar 91 Prozent. Erstmals nach einem halben Jahrhundert wurde er 1983 wieder auf unter 60 Prozent gesenkt.
In der Folge sank ab den 1930er Jahren der Anteil der einkommensstärksten Schichten am Nationaleinkommen, der der unteren Schichten stieg deutlich an, und die Armut verringerte sich spürbar.
Noch in den 1920ern erstarkten auch in Amerika – nicht anders als in Europa  die Kommunisten, aber auch nationalistische und selbst nationalsozialistische Kräfte hatten starken Zulauf. Doch mit dem New Deal endete diese Phase. Doch nicht nur das, auch ging die Ära des Mafiakapitalismus Al Capones – der, weil ihm keine anderes seiner zahlreichen Verbrechen nachgewiesen werden konnte, schließlich wegen Steuervergehen verurteilt wurde und im Gefängnis landete – und Lucky Lucianos zu Ende, der Mehrheit der Amerikaner gelang der Aufstieg in die Mittelschicht, die USA stiegen zur ökonomischen, politischen und kulturellen Supermacht auf, und es folgte das goldene Zeitalter des amerikanischen Traums.
3. Das BGE
Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist
- bedingungslos (d.h., es ist an keine Verpflichtungen geknüpft)
- bedarfsdeckend (in Höhe von wenigstens 50, besser 60 Prozent des Medianeinkommens)
- individuell (es ist kein Haushalts-, Familien- oder Bedarfsgemeinschaftseinkommen)
- allgemein (alle Menschen im Land bekommen es, auch Milliardäre)
Meist wird für Kinder der halbe Satz als angemessen angesehen, und er könnte
sinnvollerweise gestaffelt werden. Bei 1.200 EUR Grundeinkommen bekämen Kinder bis 6
Jahre entsprechend 300 Euro, von 6 bis 12 Jahren wären es 600, und von 12 bis 18 Jahren
900 EUR monatlich.
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© Daniel Weißbrodt